Prävention für jede Lebensphase

Die Daten des Morbi-RSA beinhalten 80 ausgewählte Krankheiten in 106 Morbiditätsgruppen unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht. Auch in der aktualisierten Auflage stellt der Hessische Gesundheitsbericht auf dieser Datengrundlage die häufigsten Krankheiten und ihre Verläufe in den drei Lebensphasen Kindheit und Jugend, Erwachsene sowie Senioren dar.

Die Ergebnisse zum Gesundheitszustand der hessischen Bevölkerung sind komplementär zu den in Deutschland gängigen Gesundheitssurveys, die vom Robert Koch-­Institut im Rahmen des regelmäßigen Gesundheits­monitorings zur Erfassung des Gesundheitszustands und -verhaltens der deutschen Bevölkerung durchgeführt werden.1 Die entsprechenden Gesundheitssurveys KiGGS (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey), HBSC (Health Behaviour in School-aged Children), DEGS (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) und GEDA (Gesundheit in Deutschland aktuell) werden darum ebenfalls in den Kapiteln des Hessischen Gesundheitsberichts zu den Lebensphasen aufgegriffen.

Aus den im Gesundheitsbericht dargestellten Verläufen wird ersichtlich, welche Personen- bzw. Altersgruppen mit bestimmten Krankheiten diagnostiziert werden (siehe Abb. 1 und Abb. 2). Dies ermöglicht abzuschätzen, in welcher Lebensphase (mit dem gebotenen Vorlauf) eingegriffen werden sollte, um den Ausbruch einer Erkrankung zu verzögern, zu verhindern oder das Fortschreiten bestehender Krankheiten zu verlangsamen. Solche Daten bieten auch eine Basis für die im neuen Präventionsgesetz verankerte verpflichtende Evaluation von Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Präventionsprojekten. Um die Möglichkeiten, die die hessischen Daten für die Planung und Evaluation von Präventionsprojekten bieten, ging es auch in dem Beitrag „Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich als Grundlage für eine präventiv orientierte Gesundheitsstrategie eines Bundeslandes“2.

Die häufigsten Erkrankungen in Hessen
Legende: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in dieser Abb. der Übersichtlichkeit halber nicht aufgenommen (siehe Abb. 2). Die hier erfassten Erkrankungen entsprechen den HMG-Diagnosen der jeweiligen Diagnosegruppen (siehe Krankheiten). Quelle: Daten gesetzlicher Krankenkassen auf der Basis von „hierarchisierten Morbiditatsgruppen“ (HMG). 2011, Statistisches Landesamt, eigene Berechnung 2013.  Foto: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Herz Kreislauf Erkrankungen in Hessen 2011
Legende: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in dieser Abb. der Übersichtlichkeit halber nicht aufgenommen (siehe Abb. 2). Die hier erfassten Erkrankungen entsprechen den HMG-Diagnosen der jeweiligen Diagnosegruppen (siehe Krankheiten). Quelle: Daten gesetzlicher Krankenkassen auf der Basis von „hierarchisierten Morbiditatsgruppen“ (HMG). 2011, Statistisches Landesamt, eigene Berechnung 2013. Foto: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration  Foto: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Derzeit ist die Vergleichbarkeit zwischen den Morbi-RSA-Daten der Erfassungsjahre für viele Krankheitsbilder noch eingeschränkt, da sich einerseits die Zusammen­setzung der erfassten Versicherten veränderte, andererseits v. a. die Gruppierung der Krankheiten im Morbi-RSA (die sog. HMGs) jedes Jahr angepasst wurde. Längsschnittstudien an diesem Datensatz der hessischen Bevölkerung sind somit nicht uneingeschränkt machbar. Bei den unverändert gebliebenen großen Krankheitsbildern wie z. B. dem Diabetes sollte es jedoch in Zukunft möglich sein, Veränderungen aufgrund von gesundheits­fördernden Interventionen, sei es in der Prävention oder der Versorgung, in der hessischen Bevölkerung anhand dieser Daten darzustellen. Durch die Datentransparenzverordnung (DaTraV) auf Bundesebene vom 10.9.2012 sollte in Zukunft auch ein Vergleich mit den Bundesdaten des Morbi-RSA möglich werden.3

Alters- und geschlechtsdifferenzierte Gesundheitsstatistiken erlauben somit auch eine passgenauere Zielsetzung und Ausrichtung sowie Priorisierung mit Handlungsempfehlungen. Aus den so differenzierten Handlungsempfehlungen können nun entsprechende Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention entwickelt ­werden, die sich ebenfalls an den drei Lebensphasen Kindheit und Jugend, Mittleres Lebensalter und Senioren orientieren können.

Risikofaktoren berücksichtigen

Da Gesundheitsrisiken innerhalb der Alters- und Geschlechtsgruppen jedoch nicht homogen sind, muss weiterhin nach Lebensstil und Lebenswelt differenziert werden. Die Risikofaktoren lassen sich im Wesentlichen in die Verhaltensbereiche Ernährung, Bewegung, ­psychische Gesundheit und Selbstwahrnehmung sowie Suchtmittelmissbrauch gliedern. Zusammen mit dem konkreten Alters- und Geschlechtsbezug wird der Erfolg von Präventions- und Gesundheitsförderungs­­maß­nahmen damit aussichtsreicher und nachhaltiger. Dabei gilt es, sozial bedingte Ungleichheiten von Gesund­heitschancen besonders in den Blick zu nehmen und zu berücksichtigen.

Präventionsinitiativen – was seither geschah

Auf der Basis des letzten Gesundheitsberichts wurde inzwischen eine Reihe von neuen Projekten initiiert, die im aktuellen Bericht zusammen mit den bestehenden und nachhaltig fortgeführten Projekten übersichtlich dargestellt werden. Erwähnenswert sind die für alle drei Lebensphasen jeweils initiierten jährlichen Landeskonferenzen, die im Rahmen des Gesundheitsförderplans „GesundLeben – GesundBleiben“ unter Federführung des Hessischen Sozialministeriums entwickelt wurden. Sie bieten Experten aus Politik, Wissenschaft, kommunalen und landesweiten Institutionen sowie Ehrenamtlichen und Interessierten eine Plattform für einen regelmäßigen wissenschaftlichen und praxisnahen Austausch.

Auch der 2012 erstmals ausgelobte Hessische Gesundheitspreis sei hier besonders erwähnt, durch den seither jährlich vielversprechende Projekte im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention in allen Lebens­welten ausgezeichnet wurden. Für die Evaluation der eingereichten Projektvorschläge werden die hessischen Qualitätskriterien der Gesundheitsförderung und Prävention genutzt, welche zusammen mit der HAGE (Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V.) entwickelt wurden.5

Fußnote
  1. www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring
  2. Catharina Maulbecker/Birgit Rebel/Volker Beck/Heidrun Sturm: „Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich als Grundlage für eine präventiv orientierte Gesundheitsstrategie eines Bundeslandes“ in Barmer GEK, Gesundheitswesen aktuell 2013, www.barmer-gek.de
  3. www.gesetze-im-internet.de/datrav
  4. www.hage.de/.../dokumentationen/landeskonferenz-hessen: Dokumentation mit Redebeiträgen, den Diskussionen in den Foren und auf dem Podium.
  5. Siehe auch https://soziales.hessen.de/gesundheit/auszeichnungen-im-gesundheitswesen/ hessischer-gesundheitspreis-0  und Bewertungskriterien: www.hage.de/gesundheitspreis.html.
© Copyright 2018-2020 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration